Geschichte der Filiale Poltersorf

Der Monrealer Hof und die alte St. Andreaskapelle in Poltersdorf,Filiale der Pfarrei Ellenz Michael Hermes – Arbeitskreis Ortschronik Ellenz-Poltersdorf Die Ritter von Monreal verfügten schon im 13. Jahrhundert über umfangreichen Grund-besitz in Poltersdorf und anderen Orten des Moselkrampens, vor allem in Fankel. Wahrscheinlich waren Sie als Gefolgsleute ihrer Monrealer Burgherren – den Grafen von Vinneburg – in den Besitz der Moselgüter gelangt. Emelricus von Monreal, Erbvogt und Grundherr zu Fankel, stiftete um 1220 ein Kloster im Flaumbachtal, aus dem 50 Jahre später das Kloster Engelport hervorging, und vermachte ihm seinen Besitz in Fankel und Umgebung. Der erste urkundliche Nachweis der Monrealer Ritter in Poltersdorf stammt aus dem Jahr 1300: Karl von Monreal schenkte dem Kloster Stuben Güter in Poltersdorf zum Jahrgedächtnis seines Vaters und zugunsten seiner Schwester Mathil-de, Chorfrau in Stuben. 1325 stiftete Irmtrud von Monreal, Tochter des Ritters Sybert und der Gozee, mit ihren Weingärten in Poltersdorf dem Kloster Engelport Jahrmessen an den vier Fronfasten. 1384 verkauften die Eheleute Dietrich und Gertrud von Monreal, dem Johanniterorden zu Adenau – vertreten durch Dietrichs Bruder, Komtur Karl von Monreal – 2 Weingärten bei Poltersdorf im Ellenzer Gericht zum Preis von 100 Gulden. Bereits 1379 hatten sie den Johannitern Güter in Poltersdorf geschenkt. Für Poltersdorf besonders bedeutsam war die Errichtung einer Kapelle durch Karl von Monreal am 24. Mai 1308. Er stiftete einen dem hl. Andreas geweihten Altar und dotier-te ihn mit einem freien von der Pfarrei Ellenz unabhängigen Benefizium von 9 Ohm Wein und 6 Maltern Korn aus einem Gut in Polch, das die Pächter jährlich bis Mosel-kern zu liefern hatten. Das Benefizium war vom Kardener Archidiakon Heinrich von Pfaf-fendorf mit Zustimmung Heinrichs, des Rektors der Ellenzer Kirche, genehmigt worden. Karl von Monreal behielt sich und seinen Erben das Eigentumsrecht an der Kapelle und das Kollationsrecht (d.h. das Recht zur Besetzung der Priesterstelle) vor. Wahrschein-lich wollte er den Hof in Poltersdorf zu seinem bevorzugten Wohnsitz ausbauen; boten ihm doch die unklaren Herrschaftsverhältnisse in den Reichsdörfern Ellenz und Polters-dorf die Chance zur Errichtung einer eigenständigen Bannherrschaft. Mit der kaiserli-chen Verleihung der Hochgerichtsbarkeit in Ellenz-Poltersdorf an Johann von Brauns-horn im Dezember 1309 wurden solche Pläne jedoch schnell Makulatur. St. Andreaskirche zu Poltersdorf mit spätgotischem Straßendurchbruch und mit dem sich zur Linken anschließenden ehemaligen Monrealer Hof (Zeichnung von Carl Hauptmann,1909) Der Priester (Benefiziat) der Kapelle hatte eine Wochenmesse und zwei jährliche Pre-digten am Feste des hl. Andreas und am ersten Adventssonntag (der Feier der Dedica-tio der Kapelle) zu versehen; er war aber nicht für die seelsorgerische Betreuung der Dorfbevölkerung zuständig. Der Pfarrer von Ellenz war und blieb Pastor von Poltersdorf (Pfarrbann). Der Benefiziat durfte ohne seine Erlaubnis keine Sakramente spenden, keine Opfer beziehen und zählte nicht zu den Mitgliedern des Landkapitels Zell. Folgen-de Benefiziaten sind überliefert: Simon von Senheim (verstorben 1518), Markus Zell aus Wittlich (ab 1518), Johann Mühl von Ulmen, Stiftsherr an St. Florin zu Koblenz (bis 1559), Philipp von Monreal (ab 1559) und Weihbischof Otto von Köln (bis 1638). Aller-dings darf man nicht erwarten, dass die meist adligen Benefiziaten ihren Mess- und Predigtpflichten persönlich nachgekommen wären. In der Regel ließen sie sich mehr schlecht als recht von örtlichen Hilfsgeistlichen (Altarist, Sacellan oder Kaplan genannt) vertreten, die im so genannten Altaristenhaus bei der Kirche Wohnrecht besaßen (so bereits 1407 für einen Priester Johann überliefert). Die zahlreichen Stiftungen der Ritter von Monreal zeugen von der ursprünglichen Größe ihres Poltersdorfer Gutes. Um 1400 werden sechs Weinberge ausdrücklich erwähnt: zwei im Strimmiger Gericht (Briedern) an dem rade und an dem houndel (beide unmit-telbar oberhalb von Poltersdorf gelegen) sowie die Weinberge in lynerath, in der proffen, das grosse keeß und das kleyne keeß im Gericht Ellenz. Als Hofleute zu Poltersdorf werden genannt: Conrad von Bell (1372), Johann (Henne) Schraid der Junge (1384) und Nikolaus (Clais) Schraitz Sohn (1407). Zu dieser Zeit waren die Ritter von Monreal bereits in die Lehnsabhängigkeit der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier geraten. Schon 1361 musste Karl von Monreal der Junge die Hälfte seines Hofes in Poltersdorf dem Trierer Erzstift gegen eine jährliche Rente von 10 Gulden zu Lehen auftragen. Im 15. Jahrhundert hatten die Monrealer den gesamten Hof in Poltersdorf und ihren Hof in Naunheim auf dem Maifeld dem Kurfürsten von Trier zu Lehen aufgetragen (so die er-haltenen Lehnsreverse von 1420, 1450, 1457 und 1532). Mit Hilfe des Trierer Erzbischofs und Lehnsherrn bauten sie im Jahre 1509 die einschif-fige Andreaskapelle in spätgotischer Form um. Das Chor erhielt ein Kreuzgewölbe, im Schiff verblieb es bei einer hölzernen Flachdecke. Der romanische Kirchturm aus der Stiftungszeit wurde nun mit einem spitzbogigen Straßendurchbruch und mit einem ein-gezogenen achteckigen Schieferhelm versehen. An den Umbau erinnert noch heute ein Vierblatt-Schlussstein mit dem Wappen des Trierer Erzbischofs Jakob II. von Baden (1503-1511). Das Wappen des Lehnsherrn findet sich auch an dem oberhalb der Kirche gelegenen ehemaligen Monrealer Hofgebäude. Um das Jahr 1600 verstarb mit Johann Jakob von Monreal der letzte männliche Spross des Hauses. Daraufhin kam es zwischen dem Kurfürsten Lothar von Metternich und Johann Jakobs Witwe, Wilhelma geborene von Eltz, zum Streit über das Wittum (Wit-wengut) und über die Lehnsfähigkeit ihrer einzigen Tochter. Immerhin hatte Erzbischof Johann Ludwig von Hagen 1543 den Töchtern des Diedrich von Monreal die weibliche Lehnsfolge ausdrücklich zugebilligt. Davon sollte jetzt aber keine Rede mehr sein. Am 7. Dezember 1606 einigte man sich wie folgt: Der Erzbischof sagte zu, das Monrealische Haus im Tal Monreal in einen solchen baulichen Zustand zu bringen, dass die Witwe dort standesgemäß wohnen könne. Dafür hatte sie auf den Großteil ihres Wittums zu verzichten, ausgenommen die Güter zu Poltersdorf, die ihr auf Lebenszeit verblieben. Nach der Fertigstellung des Hauses in Monreal, sollte sie ihren bisherigen Witwensitz, das Haus zu Naunheim, räumen. Dieses, und die weiteren Lehen vom Erzstift, sollten an den Kurfürsten heimfallen, nach ihrem Tod auch der Hof zu Poltersdorf. Wilhelmas Tochter sollte hingegen nur das behalten dürfen, was als Monrealisches Eigen belegt werden konnte. Nach Wilhelmas Tod verlieh Kurfürst Lothar von Metternich im November 1620 die heimgefallenen Lehen an seine beiden Neffen, die Brüder Wilhelm und Lothar von Met-ternich. Genannt werden: Haus und Hof zu Naunheim mit Freiheiten und Zubehör, der Hof zu Poltersdorf, ein Teil des Zehnten zu Gappenach mit einem Teil des Kirchsatzes, elf Mark und acht Heller Mayener Währung als Burglehen zu Mayen sowie zwei Drittel des Zehnten zu Kottenheim. Einige Jahre später gelangten Wilhelm und Lothar von Metternich durch ihren einflussreichen Onkel auch in den Besitz der Herrschaft Beil-stein-Winneburg. Sie gründeten in Beilstein 1636 ein Karmeliterkloster zur Gegenrefor-mation der seit 1584 protestantischen Herrschaft. Da die Herren von Metternich, dank des Winneburger Erbes, bereits den Hof Katzwinkel in Poltersdorf besaßen, statteten sie kurzerhand das Kloster mit dem Vermögen des Monrealer Hofes aus. Die Patres setzten die alte Hoftradition jedoch nicht fort. Sie suchten den Großteil der bisher an Lehnwinzer vergebenen Weinberge selbst zu bewirtschaften und kelterten die Trauben in Beilstein. Das Kelterhaus in Poltersdorf ließen sie verfallen, das Hof- oder Baugeding wurde nicht mehr gehalten. So gibt uns das Grund- und Extraktenbuch von 1720 nur noch ein schwaches Abbild des alten Monrealer Hofs wieder. In der Gemarkung Ellenz-Poltersdorf standen 7.010 Weinstöcke im Eigentum der Karmeliter, von diesen waren 1.660 gegen die Hälfte des Ertrages und 585 gegen ein Drittel des Ertrages verpachtet. Den weitaus größten Teil der Weinberge (4.765 Stock) bewirtschafteten die Karneliter selbst. Nicht mehr belegen lassen sich die sicherlich umfangreichen Besitzungen in den Nachbargemarkungen insbesondere die Lehen an dem rade und in dem houndel im Strimmiger Gericht (Briederner Rüberberg). Im Jahr 1638 ging auch die Kapelle des hl. Andreas zu Poltersdorf samt dem Benefizi-um cum onere et fructibus an das Beilsteiner Kloster über. Nun übernahmen die un-gleich engagierteren Karmeliter die Pflichten der früheren Benefiziaten. Hierdurch kam es zum Konflikt mit dem Ellenzer Pfarrer, der die Hostien und den Messwein für die Ka-pelle verweigerte. Auch wollten die Patres die Unterhaltung des Gebäudes auf die Ge-meinde abwälzen. Dagegen wehrte sich diese mit dem zutreffenden Hinweis, quod is qui reditibus gaudet teneatur ad reparationem oder auf Deutsch: der, welcher die Ein-künfte bezieht, müsse auch die Auslagen tragen. Verwiesen wurde auf das Beispiel des letzten Benefiziaten Weihbischof Otto von Köln, der auf seine Kosten für die Beseiti-gung von Schäden gesorgt habe. Die Patres hinwiederum machten geltend, dass dieser Standpunkt für sie unerträglich hart sei, da sie dann auch im Falle einer Beschädigung durch Krieg oder Brand zur Wiederherstellung verpflichtet wären. Sie seien aber nur die Verwalter des Eigentümers und Kollators Karl Heinrich von Metternich. Der Prior legte dem Zeller Landkapitel dar, dass sie für ihre Dienstleistung statt des vollen Benefiziums nur 6 Malter Korn und höchstens 1 Ohm Wein bekämen, dass das ursprüngliche Alta-ristenhaus, neben der Kapelle an der gemeinen Strasse gelegen, vom Küster und Glöckner bewohnt werde, dass der Kelter verfallen und dass die Steuerlast mit 3 Gulden und 3 Albus je Simpel (nach anderen Angaben 1 Gulden und 8 Albus) sowie die Ausga-ben für Messwein, Hostien und Geleucht sehr hoch seien. Die Karmeliter verschwiegen indes das umfangreiche Grund- und Rentenvermögen der Poltersdorfer Kapelle. Es wa-ren dies 12 kleinere Weingärten in der Ellenz-Poltersdorfer Gemarkung (laut Grundbuch von 1720 2.770 Weinstöcke) mit einem Drittel des Ertrages und drei große Weinberge mit der Hälfte des Ertrages im Domkapitularischen Gericht im Rüberberg. 1678 waren die Weinberge zusammen rund 9.000 Stock groß und brachten den Patres 2 Fuder Wein ein. Außerdem gebührten ihnen für die Kapelle 6 Sester an Weinrenten für Mess-wein, 15 ½ Pfund Ölrenten (1569: 20 Pfund) und 1 ¾ Pfund Wachsrenten, ferner die Nutznießung von zwei Wiesen und einem Garten. Als am 7. Februar 1677 das Dach der Kapelle und ein dicht an den Chor angebautes Wohnhaus abbrannten, konnte die Ge-meinde ihre Inanspruchnahme erfolgreich abwehren. Laut dem Protokollbuch des Un-tergerichts Ellenz wurde der Schaden an der Kapelle von den Herrn Collatoren alß von denen wohl ehrwürdig Hern patrioby Carmelity repariert. Bei der Wiederherstellung bra-chen die Patres im Chor zwei Löcher zur Ausbauung von Fenstern. Dagegen klagten die Anstößer Johannes und Magdalena Gebelen vor dem Ellenzer Untergericht, weil ihnen durch die Fenster die Möglichkeit genommen sei, wie vordem an den Giebel an-zubauen. Bei den Schöffen, die offenbar den Eheleuten die Schuld an dem Brand ga-ben, fanden sie jedoch kein Gehör. Im Gegenteil, ihnen und ihren Erben wurde aus-drücklich verboten, künftig ein Haus an die Kirche anzubauen. Stattdessen wurde ihnen nahe gelegt, den Platz mit Obstbäumen zu besetzen. Die Einkünfte und Gefälle des Monrealer Hofes und des Benefiziums gingen in der Zeit der französischen Annexion verloren: Das Kloster Beilstein wurde um 1808 aufgelöst. 1810 erwarb der Beilsteiner Maire (Bürgermeister) Philipp Klaeser (Gläser) den Rest des Poltersdorfer Hofbesitzes, 3.886 Weinstöcke (0,35 ha) und 3 Ar Wildland. Die alte Andreaskapelle wurde als Filialkirche der Pfarrei St. Martin zu Ellenz weitergenutzt, mehrfach renoviert und 1950 von Grund auf und in vergrößerter Form neu errichtet. Der historische Glockenturm ist heute das Wahrzeichen Poltersdorfs.